Tonstudio

Bau eines kleinen Tonstudios im Keller.

Nachdem wir uns ein eigenes Haus gekauft haben, konnte ich mir endlich einen kleinen Traum verwirklichen: Ein eigenes Tonstudio! Natürlich gibt es schon fertige Lösungen, diese sind mir aber zu teuer.
Daher habe ich vor das Ganze selbst zu bauen.

Grundriss im Keller vermessen. Die OSB-Platten liegen bereit.

Der Grundriss ist aufgezeichnet, etwa 3m x 3m stehen zur Verfügung. Nicht viel für ein Tonstudio, in welches noch das Schlagzeug meines Sohnes passen soll.
Geplant ist ein Computerarbeitsplatz, Aufnahme von Bass, Gitarre, Gesang und diverser Elektronik.

Die Leisten, welche ich unter die Platten schraube. Mit Teilen einer Waschmaschinen-Unterstell-Gummimatte beklebt.

Natürlich soll das Studio zwei grundlegende Dinge erfüllen:

  1. Schallschutz nach außen, also genügend Dämmung haben
  2. Akzeptable Akustik innen bieten

Für den Schallschutz habe ich mich für eine Raum-in-Raum Konstruktion entschieden, also selbsttragende Wände und in meinem Fall ein auf Gummifüßen gestellter von den Wänden und dem Boden entkoppelte Bodenplatte. Hier schön zu sehen: Die Leisten, welche ich unter die Platten schraube. Mit Teilen einer Waschmaschinen-Unterstell-Gummimatte beklebt.

Schön viel Kontakt-Kleber

Nicht nur der Boden wird über Gummifüße entkoppelt. Auch der ganze Rahmen steht auf Gummimatte (nur mit Kontakt unter den vertikalen Balken). Später sieht man, dass auch die komplette Gipskarton-Konstruktion per Gummimattenstreifen vom Rahmen entkoppelt ist. Die Idee war möglichst wenig Schallübertragung durch sämtliche Teile.

Der Rahmen steht fast komplett. Die oberen Querbalken fehlen noch.

Der Rahmen steht fast komplett. Die oberen Querbalken fehlen noch.

Laserwage im Einsatz

Hier sieht man die Lösung zur ersten Herausforderung. Ich habe mich aus raumakustischen Gründen dafür entschieden keine(!) einzige parallele Wand im Raum zu haben. Das wird Flatter-Echos vermeiden. Also muss der Grundriss schon mal ein Viereck ohne Parallelen sein. Man sieht das auf den Fotos nicht besonders gut, aber so ist es. Die Abweichung von 90-Grad-Winkeln ist ca +/- 10 Grad. Ob das ausreichend sein wird kann ich nur raten. Da der Boden nun mal besser parallel zum Kellerboden sein soll, muss also die Decke des Raumes wieder schräg gebaut werden. Dazu hab ich mir ein Laser auf einen Motor geklebt und damit eine Ebene zum markieren der Stellen für die oberen Querbalken zu haben. Funktioniert hervorragend!

Selbstbau Laserwasserwage

Ein Motor (von einem Kassettendeck), ein alter Laserpointer und eine LiPo-Zelle. Fertig ist die Selbstbau-Laserwaage.

Die billig-Bandsäge im Einsatz

Die billig-Bandsäge im Einsatz. Diese Waschmaschinen-Gummimatten sind echt zähes Zeug. Macht nicht besonders viel Spaß die zu Streifen zu verarbeiten.

Spaghetti

Das Ergebnis: viele Meter Gummistreifen für die Entkopplung der Gipskartonplatten.

Das Balkengerüst steht

Das Balkengerüst steht – fast komplett. Später habe ich noch zwei Zusatzbaken vertikal und einen quer über die Decke horizontal zur Stabilisierung gezogen. Man erkennt die Abstände, welche die Bodenplatte zu den Wänden später haben wird, die Abstände zu den Außenwänden des Kellers, die schräge Decke und die Stelle, wo die Tür reinkommt. Die Balken sind übrigens nicht so krumm, das war einfach ein schlecht gemachtes Panoramaphoto mit meiner Handykamera.

Überall Gummi

Auch an den Balken außen und innen, dort wo später die Gipskartonplatten dran kommen, habe ich zum Entkoppeln einen Gummistreifen aufgeklebt.

Verkleidung dranmachen

Das Studio wird zweifach beplankt jeweils innen und außen. Dazwischen kommt Steinwolle um eine bestmögliche Dämpfung nach außen zu erreichen. Ich hatte mir das Prinzip im Internet angelesen, es funktioniert nach dem Masse-Feder-Masse-Prinzip. Dafür braucht man zweimal möglichst viel Masse an den beiden Seiten der Wand (in meinem Fall möglichst schwerer Gipskarton) und als Feder dann die Steinwolle. Der Schall regt dann die Innenwand zum schwingen an, diese Schwingung wird gedämpft und an die weitere Masse abgegeben. Soll besser Dämmen als eine massive Wand gleicher Dicke. Also the way to go! Hier sieht man, dass ich bereits mit der Rückwand (hin zum Nachbarn) begonnen habe die erste Doppelbeplankung außen anzubringen. Ich musste mir vorher Gedanken machen, wie ich wo noch dran komme, während das Konstrukt entsteht. Außerdem war das Anbringen dieser Beplankung besonders herausfordernd, da ich nur ca 10-30 cm Platz zum arbeiten hatte – der Abstand zur Wand war nicht größer und das Balkengerüst konnte ich nicht nachträglich verschieben.

Rückwand von der Seite

Das ist die Seitenansicht der hinteren Wand – nur die äußere Beplankung ist jetzt drauf. Eigentlich wollte ich alle Wände doppelt mit Gipskarton beplanken, ich hatte aber noch vom Boden (dummerweise verrechnet) OSD-Platten übrig. So hab ich diese – auch wenn sie eine geringere Dichte als der Gipskarton haben – für die erste Schicht genommen. Darauf dann immer schön halb versetzt den blauen Diamant-Gipskarton.

Rückwand andere Seite

Hier die selbe Wand, von der anderen Seite, halb fertig. Man sieht oben ein Teil einer Schraubzwinge. Um eine bestmögliche Entkopplung aller Wände zu erhalten – wegen dem Masse-Feder-Masse-Prinzip sollten die Wände schwingen können – habe ich die einzelnen Platten miteinander verschraubt, diese dann aber auf die Gummileisten der Trägerbalken nur geklebt. Das muss natürlich fixiert werden. Nachdem ich eine Wand fertig hatte, wurde mir doch etwas unwohl bei dem Gedanken in einem rein „zusammengeklebten“ Raum mit ca (15kg * 2 * 10 * 2) = 600 kg Gipsplatten über dem Kopf zu sitzen. Also hab ich doch pro Doppelplatte eine Schraube komplett durch den Balken und die zwei Lagen Platten gedreht. Fühlt sich jetzt viel sicherer an!

Im Geschäft

Der Händler hat sich gefreut. Insgesamt habe ich etwa 100 Platten gekauft, in den Einkaufswagen, ins Auto, aus dem Auto, in den Keller und verbaut. Ein Stück wiegt 15 kg. Der selbe Hersteller bietet auch spezielle Akustikplatten. Die waren aber nirgendwo in der Nähe auf Lager und bestellen hätte 4 Wochen gedauert. Und ein gutes Stück teurer wäre es auch noch geworden. So hab ich mich für die „Blauen“ entschieden.

Deckenkonstruktion

Jetzt sind ringsum alle Wände außen doppelt beplankt fertig. Als nächstes ist die Decke dran. Man sieht auch hier wieder: Gummistreifen zum entkoppeln oben und unten. Und das Teufelszeug Steinwolle. Nachdem ich die ersten paar Tage (hatte ja immer nur Abends etwas Zeit) ohne Mundschutz gearbeitet hatte, kriegte ich Atemprobleme. Also lieber immer direkt mit Mundschutz!

Recycling

Zu schwer und zu teuer, um Reste wegzuwerfen. Für die Decke reichts!

Decke fertig

Horray! Außenwände und Decke fertig sind fertig! Man sieht schon die Kabel für die Deckenbeleuchtung.

Decke

Hier ein Blick über das Studio. Die Kellerbeleuchtung liegt auf der Außenseite der Studiodecke auf. Schön zu erkennen: Decke ist schräg!

Innenarbeiten

Verspachtelt, verklebt, zugeschäumt. Damit der Schallschutz auch funktioniert muss der Raum möglichst Luftdicht sein. Dafür ist einiges an Silikon und Bauschaum draufgegangen. Die Innenwände selbst sind dann auch noch mal möglichst Luftdicht. Ich will ja schließlich kein Steinwollstaub mehr in der Luft haben. Dafür während der Bauzeit auch das Luftreinigungsgerät im Hintergrund zu sehen. Die LED-Panels sind auch schon an der Decke.

Verkabelung

Teile der Verkabelung. Das verschwindet gleich alles hinter der Innenbeplankung. Man sieht hinten eine weitere Gummimatte aus der Wand stehen. Das ist ein Durchgriff, durch den ich die Verkabelung nach außen ziehen möchte. Die Idee ist, dass alle Netzteile (für Effekte, USB, Mischpult, etc…) und der Computer außen sind. Es soll möglichst wenig Lärm und Hitze innerhalb des Studios erzeugt werden. Damit die elende Steinwolle nicht wieder umherfliegt hab ich eine Gummimatte zu einer Röhre geformt und diese dann durch das Loch in der Wand gesteckt.

Die Tür

Die Tür, möglichst breit (1m). Ähnliche Konstruktion wie die Wände. Zur Gewichtsreduktion habe ich auf die innere Doppelbeplankung verzichtet und nur eine Lage Pressholz genommen. Das ist etwas, was ich eventuell in der Zukunft noch mal ändern werde. Die Tür ist definitiv der Teil, welcher momentan am schlechtesten dämmt.

Kabelschacht innen

Noch mal die Sicht auf den Durchbruch für die Verkabelung inklusive Gummimattenröhre. Diese Röhre hat eine seitliche Öffnung für die Verkabelung, welche innerhalb der Wände laufen soll. Strom für die Lampen, für die Steckdosen und der Schalter für die Lüftung.

Kabelinstallation aussen

Die andere Seite des Durchbruchs. Hier habe ich bereits eine abschraubbare Holzplatte angebracht. Zwei Mehrfachsteckdosen für die Netzteile ist auch schon außen am Studio festgeschraubt. Es fehlt noch der Verteilerkasten und die Lüftung, welche später oberhalb des Kabelschachts angebracht wird.

Raumklima

Um das Raumklima habe ich mir auch Gedanken gemacht. Nachdem ich das Studio rundherum luftdicht abgedichtet habe, brauche ich natürlich eine Lüftung und eine Überwachung des CO2-Pegels. Das Gerät war in meiner Preisklasse zu haben und tut auch heute noch treu seinen Dienst.

Innenverkleidung

Der Bau der Innenverkleidung hat begonnen.

Innenverkleidung auf Gummi

Im Gegensatz zur Außenwand, welche nicht auf dem Boden aufliegt, sondern ein paar Zentimeter über dem Boden endet (keine Schwingungsübertragung), habe ich mich bei der Innenwandkonstruktion dazu entschieden, die Platten auf – na, was wohl? – Gummimatten zu stellen. Hier der Blick entlang der Innenwand nach unten. Alle vier Innenwände sind nicht fest mit der Holzbalkenkonstruktion oder gar der Außenwand verbunden. Nur über die Steinwolle haben beide Wände Kontakt miteinander.

Innenwände

Vielmehr haben die Innenwände eine eigene Rahmenkonstruktion, welche hier oben im Bild zu sehen ist. Dieser Balken geht rundherum, unten ist noch mal einer. Daran sind alle Innengipskartons festgeklebt und verschraubt – wiedermal eine Gummimatte dazwischen. So steht quasi die Innenwandkonstruktion für sich alleine im Raum.

Belüftung

Der Rüssel der Belüftung. Prima Klima im Studio!

Lüfter

Jetzt außen auch mit Lüfter. Ein alter Tischventilator musste dran glauben. Natürlich auch dieses brummende Konstrukt wieder per Gummimatte entkoppelt.

Innenausbau geht weiter

Der Innenausbau geht weiter. Man sieht, dass die Innenwände bis kurz unter die Decke reichen, diese aber nicht berühren.

Teerstreifen

Damit auch diese Spalte luftdicht ist, habe ich eine Rolle Teerstreifen (oben silber zu sehen) drüber geklebt. Damit bleibt die Konstruktion flexibel und jedes Teil kann für sich alleine schwingen. Das Zeugs klebt übrigens wie S*piep*.

Verspachteln

Mittlerweile ist auch die zweite Lage Gipskarton drauf. Jetzt wird grob verspachtelt.

Verspachteln

Die andere Wand. Unten sieht man eine der drei Vielfachsteckdosen aus der Wand kommen, welche ich fest verbaut habe.

Wände fertig

Fast forward… Die Wände sind fertig. Zwei habe ich mit Rollputz versehen, die gegenüberliegenden mit Teppich bespannt. Ich will keinen komplett akustisch toten Raum haben, sondern eher viel Diffusion. Die kleinen Holzregale an der Wand – es werden noch ein paar mehr – sollen auch dazu beitragen. Oben links sieht man den Lufteinlass der Lüftung.

Schlagzeug

Das Schlagzeug passt in die Ecke. Auch der Drummer passt noch dahinter!

von Aussen
sdr

Die Hütte von außen. Links oben: Der Lüfter, der Hifi-Verstärker für die Boxen, unten steht der Rechner.

Kabel innen

Der Kabelschacht von innen. Jetzt auch hier eine Holzplatte drüber, damit man die Gummimattenrolle nicht mehr sieht. Zu sehen sind verlängerte Kabel der Effektgerät-Netzteile, Lautsprecherkabel, ein HDMI-Kabel und ein USB3-Kabel, welches im Raum in einen USB-HUB endet.

Kabel aussen

Hier noch mal von außen. Mittlerweile ist auch der Verteilerkasten drauf. Den kann man auch schöner machen. Nicht zu erkennen: Das Audio-Kabel (schwarzes Doppelkabel, das vorne rauskommt), welches zum Verstärker außen an der Wand führt ist separat in einer eigenen Abschirmung (ein Kupferrohr an Erde) geführt.

Vom Arbeitsplatz aus

Die Wand des Tonstudios vom Lötarbeitsplatz aus gesehen.

Der Tisch

Der selbstgemachte Arbeitstisch. Die Aussparungen sind für die Monitor-Lautsprecher. Auf die zweiten Ebene kommt das Audiointerface und das Mischpult.

Durch die Tür
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Ein Blick durch die Tür.

Eng
sdr

Eng, aber funktioniert.

Zum Schluss schnell noch ein paar Fakten:

  • Bauzeit: ca 9 Monate, jeweils Abends und am Wochenende.
  • Kosten: ca 1200 EUR Material
  • Akustische Dämmung nach außen: Ausreichend. Der Aufwand hätte eigentlich mehr hergeben müssen. Der Nachbar und Familienangehörige beschweren sich allerdings nicht – auch bei Schlagzeug oder E-Gitarre in Proberaumlautstärke. Somit ist das Ziel erreicht.
  • Raumakustik: Schlecht. Das mit den nicht-parallelen Wänden war wohl eher eine Schnapsidee. Lieber kontrollierbare Raummoden durch parallele Wände als den zusätzlichen Bauaufwand durch Schrägen überall. Natürlich sorgt auch das Schlagzeug für mehrere Resonanzen über das Frequenzspektum. Da ich aber den Raum sowieso nicht zum Mastern verwenden kann, ist die Raumakustik für mich OK.
  • Fazit: Alles in allem: Doch ein gelungener Bau. Ich kann auch Abends noch ordentlich Krach machen, und keinen stört es!